Die 26. Fichkona
Der Wahnsinnsritt vom 13.-14.06.2026
Einen Erlebnisbericht von Christoph Völkel gibt es unten!
Strecke:
Knapp unter 601 Kilometer. Umleitungen über Neudorf (gleich mit zusätzlichem Anstieg kurz nach Oberwiesenthal; dann nur noch ein Stück Neufahrstrecke von Demmin bis Grimmen, was identisch in der Länge zur üblichen Strecke ist. Dadurch wurde nur die Kurzrast etwas später an einer Tanke abgehalten.
Teilnehmer:
189 Starter; davon 15 (!!!) Damen.
Die Gesamtfahrzeiten der einzelnen Gruppen (Start ab 10.00 Uhr in Abständen von 5 Minuten):
1. Gruppe: 22:14 Stunden
2. Gruppe: 23:32 Stunden
3. Gruppe: 25:22 Stunden
4. Gruppe: 27:10 Stunden
Wetter:
Kühl und recht windig mit Nebel und Wolken bei ca. 10-12 °C auf dem Fichtelberg zum Start. Später wurde es rasch trockener und schon vor Chemnitz geb es zaghaft Sonne bei meist dichter Bewölkung. Am späten Nachmittag brachte der teils kräftig böige Westwind einige serh ergiebige Regenfälle, welche die die vier Gruppen unterschiedlich erwischte. Der Regen ging, bis in die Morgenstunden blieb es trocken; was jedoch blieb, war der unverändert kräftige Westwind. Alle Gruppen wurden vor Stralsund und/oder auf Rügen von weiteren durchziehenden Regengebieten erwischt.
Bei der Zusammenfassung möchte ich mich auf ein paar wenFakten beschränken:
- Durch den Wind waren die Gesamtzeiten 1,5 bis 2,5h langsamer als vor 2 Jahren.
- Alle Teilnehmer haben sich sehr gut selbst eingeschätzt und die richtige Gruppe gewählt
- Es gab nur ganz wenige (3) Abbrecher und ca. 6-8 Teilnehmer, welche mal kurzzeitig im Begleitfahrzeug pausieren mussten (Pannen sind da nicht mitgezählt)
- Leider drei Stürze, wo die Verletzungen den Einsatz eines Rettungswagens notwendig machten. Es ist immer schlimm, aber bei der Distanz und Teilnehmerzahl passiert eben auch mal was. Den Verletzten wünschen alle Gute und haben auch schon positive Rückmeldungen zum Gesundheitszustand!
Ein absolutes Highlight fehlte jedoch leider kurzfristig. Wer die Fichkona schon ein paar Mail gefahren ist, der weiß, dass in Potsdam bei der Stadtdurchfahrt mit der Kradstaffel Adrenalin in den Kreislauf gepumpt wird und die Motivation auf Höchststand gesetzt! Wie ist das doch toll, mit Blaulicht und Sirene über jede rote Ampel durch die Stadt zu fetzen; Passanten bleiben stehen, applaudieren; es wird auch mal eine Straßenbahn angehalten! An dem Abend ist in Potsdam 4x Fichkona und man kann sich getrost wichtig fühlen und bissel als kleiner Held! Es war schon 2006 zur Fussball-WM so und nun eben 20 Jahre später nochmal.
Die Herren der Kradstaffel sind 2028 wieder eingeladen, für das Gefühl zu sorgen, Polizei als Freund und Helfer! Es müssen nur noch die Vorgesetzten abnicken!
Mein Dank geht an meine aufgeweckte, umsichtige und bestens organisierte 28 köpfige Crew! An alle Teilnehmer, welche rücksichsvoll und umsichtig in den Gruppen fuhren und sich gegen den Wind stemmten!
Ein Riesendank an alle unsere Unterstützer, Sponsoren und die "Early Bread" - Frühaufsteher-Brötchencrew. Die haben mit 18 Personen am Samstagfrüh den Rekord von 2024 unterboten: 1200 Brötchen und acht 1,5 kg-Brote in 2 Stunden geschmiert, belegt und verpackt!
Am Ziel neben den Leuchttürmen wieder der Empfang unterm Zielbogen durch den Verein "Tour de Allèe"! Initiiert und hervorragend organisiert durch Uwe Uschmann und die Tourismusgesellschaft Arkona. Das Org.-Team der Fichkona bedankt sich im Namen alle Teilnehmer! Also wenn es mal viel weniger extrem sein soll, dann rollt mal hier mit: https://www.tda-ruegen.de/
Media:
MDR SACHSENSPIEGEL - Fichkona: extremes Fahrradrennen von Sachsen nach Rügen - hier anschauen
Bing-Video (Danke an Robert Schopplich!)
Die 27. Fichkona ist Mitte Juni 2028 geplant!
Sport Frei!
Olaf
Nur die Harten kommen nach Putgarten - Fichkona 2026
Aufgeschrieben von Christoph Völkel.
Nieselregen, 10 °C, böiger Wind und ein im Umbau befindliches Hotel auf dem Fichtelberg - die idealen Voraussetzungen für gute Laune beim diesjährigen Start der Fichkona. Solche kausalen Zusammenhänge lassen sich, von wenigen Ausnahmen mal abgesehen, nur bei echten Langstreckenpiloten mit eigenem Akku in den Beinen finden. Diese Akkus werden auch medienwirksam präsentiert, als es mal wieder in 4 Gruppen losgeht, angefangen mit dem rasanten Ritt vom Fichtelberg runter und durch die Täler und über die Höhen des Erzgebirges Richtung Chemnitz. Die Gruppen laufen gut, und das Wetter präsentiert sich auch besser als vorhergesagt. Die Sonne lacht in den Straßen von Chemnitz und später auch im Muldetal. Wenn nur dieser böige bis stürmische Seitenwind nicht wäre, der uns mit seiner dauerpräsenter Permanenz umschleicht. In Gruppe 2 stellen sich bald nach den letzten Hügeln um Colditz und Grimma Unerschrockene in den Dienst der Geschwindigkeit und ziehen die anderen mit, die Frauen in der Gruppe tun sich teilweise schwer, kämpfen aber tapfer und bleiben auf der Seite des Humors. Kurz vor Wittenberg in der Dübener Heide erwischt uns dann doch die erste kühle und heftige Dusche des Tages, aber der Wind trocknet die plastenen Sekundärhäute der Fahrer schnell und unter Zurücklassung bizarrer salzhaltiger Zeichnungen. Alle lechzen nach etwas Wald und Busch am Straßenrand, vor allem auf der Westseite, die uns etwas Schutz bieten und vor allem Ruhe unterm Helm.
So wandern wir auf der Landkarte immer weiter nördlich Richtung Potsdam und zur Hälfte der Strecke. In Michendorf müssen wir schmerzhaft erfahren, dass die Polizei uns diesmal nicht durch die Brandenburger Hauptstadt geleitet und wir an jeder roten Ampel wie jeder andere Teilnehmer am öffentlichen Straßenverkehr stoppen müssen. Welch ein Verlust an Gaudi und aufmerksamen Blicken von Passanten am Samstagabend zur besten Flanierzeit inmitten alter Bauten aus Zeiten des alten Fritz und vor Erfindung des Velozipeds oder des Knochenschüttlers, der seine Mitfahrer noch ohne Luft im Reifen zur Beförderung vergewaltigte. Doch bald haben wir wieder die Weiten des Havellands erreicht, und die Nacht kündigt sich mit einer tiefstehenden Sonne, riesigem Regenbogen und glutroten Wolken am nördlichen Horizont an. Man kann nicht behaupten, dass die diesjährige Fichkona nichts für romantische Seelen bereithält. Olaf verkündet eine trockene Nacht mit milden Temperaturen, und die Pupillen weiten sich ob der hereinbrechenden Dunkelheit. Rehe sehen wir in Gruppe 2 keine, auch dank unserer blauen Blinklichter am Oberarm. Vielleicht mögen ja Rehe auch keinen Wind.
Die Pausen in Gransee und Altentreptow nutzen wir, um uns zu stärken, umzuziehen und mal kurz die müden Glieder zu recken. Die Verpflegung ist wie immer super, zu jeder Kartoffelsuppe gibt es neben Würstchen einen aufmunternden Spruch der Küchenfees - und feeinnen gratis dazu. Schon auf dem Weg nach Grimmen wird es wieder hell, und der Wind frischt wieder auf. Kurz vor Stralsund gibt es eine neue Dusche aus dem grauen Himmel über der Ostsee, und wir freuen uns nur noch aufs Ankommen. Der bunte Haufen aus müden Rennern in nassen Jacken überquert die alte Brücke über den Strelasund und freut sich plötzlich über Sonnenschein auf dem Weg zur Fähre. Die Aussicht auf baldige Erholung und Fischbrötchen mit Radler oder Kaffee setzt bei manchen die letzten Körner frei, während sie bei anderen schon bis auf homöopathische Restmengen bereits verbraucht sind. Ab der Fähre ist "fröhliche" Grüppchenbildung erlaubt, und auf den ersten und letzten Rückenwindpassagen während der gesamten fast dreiundzwanzigeinhalb Stunden kommt zunehmend Freude auf, dass wir das Kap bei Sonne erreichen werden. Die letzten Kopfsteinpflasterstücken durch Putgarten und der kleine Anstieg zum Leuchtturm sind geschafft, und die Familien jubeln, dass die (positiv) "Bekloppten" es wieder mal geschafft haben. Unter Stöhnen und komischen Verrenkungen verlassen wir unsere Arbeitsgeräte und freuen uns über die warmherzige Begrüßung, auch von oben. Die Strapazen sind plötzlich vergessen, sofern man sich nicht an unbedachten Bewegungen ausprobiert. Die Bilder werden langsam und haben Zeit zu wirken. Manch einer ruft sie sich im Gespräch vor den inneren Monitor. Die Freude über das Erreichte wird sichtbar, in den Gesichtern, in den Worten. Jetzt ist Erholen und Schulterklopfen angesagt, auch für das tolle Team in den Begleitfahrzeugen und rund um die ganze Tour. Die Olaf & Co.-Die-sin-doch-ni-reene-Radler GmbH hat zusammen mit den Sponsoren mal wieder ganze Arbeit geleistet für bleibende Erlebnisse gesorgt, die diese Grenzerfahrung "unweigerlich" mit sich bringt.
Und am Ende noch die nüchternen Daten für die Zahlen-Junkies unter uns, entnommen meinem Garmin Edge 830, der in Gruppe 2 aufgezeichnet hat:
gefahrene Distanz: 599 Kilometer
Durchschnittsgeschwindigkeit: 29,9 km/h
verbrauchte Energie: 9.702 Kalorien
Höhenunterschied: 3.131 Meter
Leistung (NP): 144 W









