Nachlese von Olaf


 Die 21. Fichkona – Wild und heiß serviert!

Fahrt zum „Braten“ und zum Baden

Der Wahnsinnsritt vom 09.-10.06.2018

 

• Strecke: 625 km (inkl. 4 Umleitungen plus eine Kurzfrist-Ersatzstrecke), offiziell die längste Strecke aller Fahrten

• 188 Starter; davon 14 Damen (!), 1 Tandem-Pärchen, 1 Liegeradler

• 12 vorzeitige Aufgaben, ca. 16 „Pausierer“ zwischenzeitlich in den Begleitfahrzeugen

• Die Ostsee hat in Juliusruh mit angenehmen ca. 20°C eine selten gute Badetemperatur
 

Die Gesamtfahrzeiten der einzelnen Gruppen (Start ab 10 Uhr in Abständen von 5 Minuten):

1. Gruppe:           21:53 Stunden, ca. 30 Teilnehmer am Start

2. Gruppe:           24:32 Stunden, ca. 68 Teilnehmer am Start

3. Gruppe:           25:49 Stunden, ca. 54 Teilnehmer am Start

4. Gruppe:           27:32 Stunden, ca. 36 Teilnehmer am Start


Fichtelberg, Sonntagmorgen kurz nach 7 Uhr – gefühlte 16° Celsius und sonnig. Ein recht ungewöhnlich warmer Morgen. Später zogen für ein paar Minuten ein paar Wolkenbänke über den Gipfel, jedoch zum Geläut der Friedensglocke strahlte die Sonne.

Die vier Startgruppen sind zahlenmäßig ausgewogen besetzt. Es ist vor allem toll, dass die Gruppe 4 mit gut über 30 Teilnehmern richtig gut besetzt ist, so dass genug Leute um Stamm-Capitano Mike Fellendorf für ein gutes Tempo sorgen können.

Nach Wettervorhersage ist zu erwarten, dass es ein sehr warmer Tag wird und vielleicht ein Regenguss oder Gewitter am Nachmittag etwas Abkühlung bringen kann. Das beschränkte sich für die Gruppen 2-4 auf einen Regenschauer auf dem Weg nach Chemnitz; leider werden viele denken.

In 20 Jahren Fichkona haben wir schon einiges erlebt, doch eine solche lange Hitze über den Tag gab es noch nicht. Ab Mittag waren es 34-36° Celsius und mehr auf den meisten schattenlosen Strecken und die Hitze vom Asphaltband wärmte zusätzlich von unten. Das Tempo der Gruppen im gewohnten Bereich und es lief recht harmonisch, was an der ersten Verpflegung die Euphorie von einigen zeigte, welche es schon unrhythmischer erlebt hatten. Dass dadurch das Tempo hochgehalten wurde, vielleicht zu hoch für diese Temperaturen, bemerken viel zu spät und die Plätze in den Begleitfahrzeugen der Gruppe 2 sind auf dem Weg nach Potsdam vollständig belegt.

Nach einer Umfahrungsstrecke Treuenbrietzen mit „Sagard-Ersatzpflaster“-Abschnitt, kommen wir in langsam in die nur noch warmen Abendstunden. Bei vielen steigt wieder die Leistungsbereitschaft des Körpers und dazu wird in Potsdam die zuverlässig wirkende Motivations-Spritze durch die Begleitung der Polizeieskorte gesetzt. Jene haben vorher unsere „Kleine Küche“ mit der Verpflegung an einem Stau vorbei und eine Baustelle hindurch mit Blaulicht und Martinshorn in Höchstgeschwindigkeit zum Verpflegungspunkt gelotst. Unglaublich verrückt, jedoch die Fichkona ist ebenso wichtig, wie Kaffee und Unger-Kuchen für dei Krad-Polizisten zur Stärkung an der Verpflegung vor Potsdam!

Lampen ran, es geht in die Dämmerung und stockfinsteren Alleen. Fast alle haben ihre Zwischenpause in den Begleitfahrzeugen beendet. Nun wird es für die Gruppe 2 und die Begleitcrew aufregend, Hinter Germendorf rammeln Rehe durch die Gruppe und zwei Radler kommen schmerzhaft zu Fall. Wenig später ist ein Rettungswagen, bald zwei am Unfallort. Die verletzten werden ins nächste Krankenhaus gebracht. Die Gruppe rollt weiter und nach kaum mehr als einem Kilometer ruft es über Funk „Wieder Wildunfall, diesmal böse!“ Volkmar Hildebrand ist ein Reh oder Rotwild ins Hinterrad gesprungen und er wurde herumgewirbelt. Mit dem Rettungswagen fährt auch die Polizei fährt vor.

Völlig verunsichert rollt die Gruppe weiter; es wird laut gerufen und das Führungsfahrzeug hupt. Die B 96 ist erreicht und damit eine wohl sicherere Straße. Die beiden nachfolgenden Gruppen sind gewarnt, kommen ohne Zwischenfall durch. Rückblickend gab es nur 2016 Wildunfälle, welche zum Glück jedoch nur mit Blessuren endeten.

Ein weiterer Sturz durch kurzzeitige Unaufmerksamkeit und Auffahren hinter Klatzow schmeißt in der Folge Cornelia Mainka aus ihrer 5. Fichkona. Sie wird schnellstens von der Begleitcrew versorgt und nimmt mit dem Rettungswagen Kurs Neubrandenburg.

Eine unangekündigte Sperrung zwingt uns zu einer improvisierten Umleitung, welche unser Springerfahrzeug erkundet hat. Nur für die Gruppe 1 hat es nicht gereicht; die nehmen die frühere Fichkona-Strecke über Greifswald. Auf kleinsten Straßen fast romantisch schön im Morgennebel geht’s am Peenetal entlang. Die 24 Stunden zu unterbieten ist noch möglich, doch sicheres Ankommen viel wichtiger, weshalb dann die letzte Verpflegungspause in Stralsund auch für einen Kaffee in Ruhe reicht. Alle sind von den Anstrengungen gezeichnet, selbst die Stärkeren mussten leiden und einige auch mal im Fahrzeug pausieren, deshalb sollen die letzten 61 km keine wilde Hatz werden, sondern eine Vorfreude auf das Ziel an den Leuchttürmen. Für alle Gruppen geht es über die Fähre Wittow zum Ziel.
Für jede Gruppe wird es eine Zieleinfahrt unter dem wahnsinnigen Jubel von angereisten Familien, Freunden und Bekannten. Ein Moment der für viele Grund genug ist, sich auf diesen langen Weg vom Berg ans Meer zu machen.

Fichkona bleibt einzigartig, durch seine Teilnehmer, welche ein Ziel eint und eine der besten Langstreckencrews, welche den Weg durch den „Wild East“ weist und manchen auch den Ausweg aus einem kurzen körperlichen Tief!

Riesendank an meine Crew in den Fahrzeugen, den Nudelsalatschüsseln und Brötchen-Tischen! Danke an unsere Sponsoren und Unterstützer. Der beste Langstreckenkuchen kommt von Ungers aus Eibenstock! Und Schluss!

Sport Frei!
Olaf Schau

 

 

 

 

FICHKONA 2018 von Jens Claußnitzer


Dapoo-Cycling
Der BergZwerg Dschenz, seines Zeichens Vertreter der dapoo-Dependance im Tharandter Wald, war wieder so freundlich
( … und jährlich grüsst das Murmeltier) uns die schriftliche Kopie in der Zusammenfassung über das diesjährige Fichkona,
mit der Zielstellung der digitalen Veröffentlichung, zur Verfügung zu stellen. Wie immer gebührt dem Autoren unser Dank!

Kurzweilig und in geschliffener Prosa referiert der beständige Fickona-Veteran über die diesjährige Hitzeschlacht auf dem
Weg ans Meer.

Viel Spaß beim Lesen!



FichKona 2018 oder Manche mögen's heiß



Fichkona 2018 – Der Wahnsinnsritt vom Berg zum Meer von Nancy Orgis


Aus Sicht der Tandem-Stokerin, gefahren in Gruppe 2

Als mein Mann vor nunmehr vier Jahren die Fichkona absolviert hatte, war ich wahnsinnig stolz auf ihn, dass er es geschafft hatte.

So stolz, dass mir letztes Jahr in einem unbedachten Moment der größenwahnsinnige Spruch: „Das will ich auch schaffen“ rausgerutscht ist.

Da musste mein Mann jetzt wohl durch: Wir fahren seit reichlich zwei Jahren Tandem und wenn, dann würde ich das nur mit seiner Unterstützung schaffen.

Da wir uns eher als Hobbybiker bezeichnen und berufs- und familienbedingt auch keine 5.000 km in der Vorbereitungsphase schaffen, eine ganz schöne Herausforderung.

Ein guter Freund schrieb mir dennoch die Trainingspläne und so fühlte ich mich recht gut vorbereitet.

Kurz vorher fragte mich mein Mann noch, was ich mir zum Geburtstag wünsche. "Ich will mit Dir zusammen das Meer sehen" hab ich da spontan gesagt und er wusste genau, was gemeint war.

Viel zu schnell rückte der Termin heran und schon standen wir Samstag gg. 10 Uhr auf dem Fichtelberg, hörten die Friedensglocke läuten, umarmten uns und los ging es.

Am meisten Gedanken hatte ich mir im Vorfeld um die ersten bergigen 100 km gemacht, da wir als Tandem (das Rad wiegt schon mal um die 20 kg) doch etwas träger sind als ein Rennradfahrer. Und es kam natürlich dann auch wie befürchtet. Mein Mann platzierte sich im vorderen Feld unserer Gruppe und an dem ein oder anderen Anstieg zog dann Rennradfahrer für Rennradfahrer vorbei. Nichtsdestotrotz machten wir auf der Geraden und bergab immer wieder Meter gut und bauten uns den Puffer für den nächsten Anstieg auf.  Was mich immer wieder motivierte, war der Respekt, den uns die Rennradler zollten, dass wir diese Tour mit dem Tandem absolvieren wollten. Und dass wir – unsere Heimat Chemnitz durchfahrend - immer wieder Freunde am Straßenrad sahen, die uns zujubelten. Das hat schon Gänsehautcharakter.

So lief es wider Erwarten besser als gedacht und die erste Etappe von 98 km war geschafft.

Die kurzen Pinkelstops zwischendurch sind immer lustig für uns Frauen – da sind die Männer schon wieder fertig mit dem Geschäft, da sind wir Frauen noch nicht mal soweit ausgezogen. Das hab ich dann lieber sein lassen und mich darauf verlassen, dass ich die Flüssigkeit ja raus schwitzen werde bei den Temperaturen (unser Garmin zeigte einen Höchstwert von 38 °C).

Die zweite Etappe zog sich dann schlimmer als erwartet und die Hitze machte mir sehr zu schaffen, wir hatten die Trinkblasen mit Iso gefüllt und eine leere Reserveflasche dabei. In dieser Phase hatte ich Mega-Durst, aber das Iso stillte diesen nicht. Wie wünschte ich mir, dass ich die Reserveflasche mit einfachstem Wasser gefüllt hätte. Aber einmal unterwegs gibt es da keine Chance mehr. Plötzlich hörte ich wie - von hinten kommend jemand fragte, ob noch einer Wasser bräuchte. Konnte er Gedanken lesen? Egal, ich hob den Arm und ein paar Minuten später war auch ich dran und hatte eine der Flaschen Wasser in der Hand, die aus dem Begleitfahrzeug gereicht wurden. Das war die Rettung für mich in diesem Moment. Danach fühlte ich mich deutlich besser und weiter ging es. Den Rhythmus der Gruppe zu halten, war für uns gar nicht so einfach, da wir einmal in Schwung gekommen immer sehr viel  unserer Energie wieder verbremsen mussten, den Windschatten aber nicht wirklich nutzen konnten, da das Tandem dafür zu schwer ist.

Nach dieser aufgrund der heißen Temperaturen doch sehr schweren 79 km Etappe stand eine Kurz-Rast an. Also hielten wir an, wollten unsere Getränke auffüllen und plötzlich hieß es: Die Getränke sind alle. Ich konnte es gar nicht fassen ... Und nun? Da fragte mich ein junger Bursche: Wollt Ihr Wasser? Ich bejahte und er meinte, er hätte im Wohnwagen noch was. Also Flasche aufgefüllt, aus den eigenen Reserven was gegessen und weiter ging es. Ich weiß bis jetzt nicht, ob diese Rast gar nicht zum Auffüllen vorgesehen war, aber ein großes Dankeschön denen, die uns dort aus ihren privaten Reserven versorgt haben. Bei den Temperaturen war das echt hilfreich.

Irgendwann nach nicht ganz 300 km beschlich mich das Gefühl, dass wir es schaffen könnten bis zum Kap Arkona. Ich wollte zwar nicht mehr sitzen, hatte bei der letzten Rast auch schon eine extra Radunterhose angezogen, sodass sich der Schmerz anders verteilte. Außerdem hatte mir mein Mann gesagt, wenn man den Schmerz lange genug ignoriert, lässt er sich aushalten. Also lenkte ich mich ab. Ich genoss den Anblick der Sonne als roter Feuerball über einem See und sah, wie sie langsam unterging. Ich war ziemlich euphorisch in dieser Zeit, merkte aber, dass mein Mann umso ruhiger wurde. Wie sich später herausstellte, wegen starker Knieschmerzen. Die Nacht brach herein. Das war auch die Zeit, als wir von Blaulicht begleitet durch das abendliche Potsdam geführt wurden und immer wieder waren feiernde Menschenmengen am Straßenrand, die uns spontan zujubelten. Auffällig war auch über die gesamte Strecke ein Pärchen, dass plötzlich und unerwartet immer wieder am Straßenrand auftauchte und lautstark anfeuerte und motivierte.

Rückschläge gab es dann leider auf den ruhigen Landstraßen, die durch die Wälder führten, bei mehreren Wildunfällen in der Nacht. Der erste vor uns, dumpfer Aufprall, Schreie. Die Gruppe kommt zum Stehen, versorgt die Verletzten, die Crew bespricht sich, wie es weiter geht. Dann fahren wir weiter durch die dunkle Nacht. Nur wenige Minuten später hörte ich es rascheln am Straßenrand, konnte das Geräusch noch gar nicht zuordnen, als ich einen dumpfen Aufprall hinter uns hörte und  sofort wußte, was passiert war. Die Gruppe fuhr nach der Erstversorgung der Verletzten sehr unruhig und erst einmal ohne Führungsfahrzeug weiter. Wie schnell kann der Traum vorbei sein … In diesen Momenten merkte ich wieder die Anspannung meines Mannes. Und mir wurde wieder einmal mehr bewusst, welche Verantwortung er auf dem Tandem insbesondere auch für mich trägt.

Aber auch die vielen sonstigen Stürze im Feld machten mir sehr zu schaffen. Die Gruppe war sehr unausgeglichen, eine zweier Linie selten zu erkennen. Immer wieder gab es Probleme mit dem Wechsel bei der Verantwortung für die Führungsarbeit.

Die Nacht wurde leider auch kälter als gedacht. Bei angesagten 18 Grad hatte ich mir bei der Nacht-Rast bei km 385 nur die Armlinge übergezogen, was sich für die dann tatsächlich bis zu 8 Grad als zu kalt herausstellte. Und die nächste Pause ist üblicherweise noch bis zu 3h entfernt. Da habe ich mir dann beim nächsten Verpflegungspunkt bei km 470 doch - obwohl der Morgen schon näher rückte -  die Softshelljacke übergezogen, um wieder warm zu werden ... Bei der Nahrungsaufnahme war sich meine Speiseröhre gerade auch nicht sicher, in welche Richtung sie das soeben Aufgenommene transportieren sollte, aber ich konnte sie doch davon überzeugen, dass nach unten die bessere Wahl ist und weiter ging es.

Dort gestartet, dauerte es leider nicht allzu lange und vor uns gab es wieder einen Sturz, was mich, da ich emotional schon sehr angespannt  war, sehr mitnahm. Gerade jetzt ging am Horizont die Sonne auf. Ein wunderschönes Bild, dass ich gar nicht richtig genießen konnte, da ich noch sehr mit dem Sturz beschäftigt war. Nach der Erstversorgung ging es weiter und irgendwann fingen auch die Vögel an, ihr Morgenlied zu singen und die dunkle kalte Nacht war endgültig vorbei.

Da ich mich immer von einem Verpflegungspunkt zum Nächsten orientiert hatte, war es für mich sehr motivierend, als die langen Etappen zu Ende waren und die Abstände zwischen den Verpflegungspunkten  sich verkürzten. Da rückte das Ziel schon wieder ein Stück näher. Wir fuhren also auf der drittletzten Etappe, noch ca. 20 km  bis zum nächsten Verpflegungspunkt. Plötzliches Anhalten zur Pinkelpause und Abstimmung, ob wir die  Verpflegungsstelle weglassen wollen und  die nächste Etappe von 30 km gleich mit durchfahren wollen bis Stralsund. O.k. so wurden aus den eben noch 20 km wieder 50 km, aber egal, jeder gefahrene km bringt uns dem Ziel ein Stück näher. Und nach Stralsund geht es schon auf die Insel Rügen, Kap Arkona quasi zum Greifen nahe. Jetzt durfte einfach nichts mehr passieren.

Nächste Rast also bei km 564 Stralsund. Essen will ich eigentlich nichts mehr, ISO schmeckt auch nicht mehr, aber egal. Irgendwas muss es sein. Also ein Stück Kuchen genommen, Äpfel halfen mir auf der Fahrt immer für einen anderen Geschmack im Mund. Bananen, naja, irgendwann gingen die auch nicht mehr ...

Und dann war es endlich soweit: Wir fuhren über den alten Rügendamm und ich hatte die ein oder andere Träne in den Augen und genoss es einfach. Und weiter ging es km für km bis ich endlich das Hinweisschild "Wittower Fähre" entdeckte. Noch die Fährüberfahrt und 17 km und dann hatten wir es geschafft. Auf der Fähre kurz zur Ruhe kommend, hatte ich schon wieder Tränen in den Augen und mein Mann bremste mich, da wir ja noch nicht am Ziel waren. Aber er zeigte mir die Anzeige seines Garmin: Er hatte eine Zwischenzeit genommen bei km 601 (die eigentliche Fichkona-Strecke) und dort stand 23:27h. Also unter 24 h, das war ja das Ziel. Aber egal, dieses Jahr waren es einige km mehr zu fahren, wir waren also noch nicht am Ziel. Also runter von der Fähre und los ging es auf die letzten km. Gefühlt zogen diese 17 km sich für mich eine Ewigkeit. Überall am Straßenrand suchte ich nach einem Hinweisschild "Kap Arkona", vergeblich. Aber egal, treten, treten, treten und dann endlich sah ich das erste Schild. Aber es waren immer noch einige km zu fahren. Irgendwann lugte dann der Leuchtturm das erste Mal hervor und als wir dann irgendwann nach halb elf tatsächlich über die Ziellinie fuhren, konnte ich mich nicht mehr an mich halten. Ich schrie die ganze Anspannung der letzten mehr als 24 h heraus.  Wir fuhren noch ein kleines Stück, um auch den anderen die Chance zu geben, über die Ziellinie fahren zu können und dann endlich nahm ich meinen Mann in den Arm und spürte, wie auch bei ihm die ganze Anspannung abfiel und der Erleichterung Platz machte.

Wir hatten das Unmögliche möglich gemacht, wir waren mit dem Tandem 629 km vom Berg ans Meer gefahren. Wie viele hatten uns beschmunzelt und belächelt und wir haben es einfach gemacht!          

Nachlese

Knapp ein Woche nach diesem Mega-Event habe ich mich von den Strapazen nahezu (bis auf die ramponierte Sitzpartie) erholt. Die Müdigkeit ist gewichen, die Muskeln sind auch wieder gewillt, aktiv zu werden.

Wir waren für unsere Verhältnisse perfekt vorbereitet, die Muskeln haben super gearbeitet, wir hatten keinen technischen Defekt, keinen Sturz und selbst das Wetter war bis auf die zu heißen Temperaturen perfekt.              

Ein großes Dankeschön geht an meinen Mann, dass er diese To(rt)ur für mich auf sich genommen hat, an meinen Trainer, dass er so viel Geduld mit mir bewiesen hat, an die ganze Crew von Fichkona, dass sie solche Erlebnisse möglich macht (ich denke, die logistische Meisterleistung, die dahintersteckt, die Verpflegung von 4 Gruppen sicherzustellen, kann ich gar nicht genug würdigen) und an alle, die uns am Straßenrand angefeuert haben oder beim Livetrack mitgefiebert haben.



Fichkona-Abenteuer 2018 von Andreas Schliemann und Hanjo Lehmann


Meine 4 Fichkona wurde diesmal ein Abenteuer der anderen Art, die ewig in meinem Gedächnis bleiben wird. Der Start begann wie immer am Fichtelberg. Für mich und Hanjo war jedoch scharfer Start erst bei ca. der Hälfte der Strecke als Rehe wildentschlossen waren, durch das Fahrerfeld zu laufen, um zur anderen Waldseite zu kommen. Dabei stürzten 1 Fahrerin und 2 Fahrer und verletzten sich. Nach Eintreffen des Notarztes und der 2 Krankenwagen entschloss ich mich die Verletzten im Krankenwagen zu begleiten. Also fuhren wir mit der Notfallnummer des Fichkona-Teams in das Krankenhaus nach Oranienburg. Nach eingehenden Untersuchungen wurde nur Hanjo entlassen. Also setzten wir uns gegen 2 Uhr nachts auf die Absperrung des Hubschrauberlandeplatzes um unsere Notfallnummer zu aktivieren. Dies erwies sich zunehmend als sehr schwierig, da das andere Ende der Leitung stumm blieb. Am Anfang dachten wir uns noch nichts weiter dabei und blieben weiter dran bis mein Handy den Geist aufgab. Jetzt wurde die Sache schon etwas prikärer, da unsere Gruppe sich immer weiter von uns entfernte. Glücklicherweise hatte Hanjo noch etwas mehr Akkuladung, was aber auch nicht ewig reichen würde. Als wir nach zwei Stunden immer noch niemanden erreicht hatten und auch eine Mitfluggelegenheit sich nicht ergab, überlegten wir was es für Alternativen Richtung Norden gab. Uns stachen zwei alte Damenfahrräder mit Körbchen ins Auge. Da diese keine Schaltung und wir keine Schuhe hatten, verwarfen wir den Plan. Kurze Zeit später kamen zwei Jugendliche mit gut beleuchteten Mountenbikes in die Notfallaufnahme. Sie schienen uns beiden nicht zu vertrauen und ließen ihre Räder nicht aus den Augen. Also erstickte dieser Plan im Keim. Wie ein Plan nach dem anderen scheiterte versuchten wir weiterhin anzurufen. Neben dem Krankenhaus fiel uns eine Autovermietung auf. Aber ohne Papiere, ohne Geld, ohne Schuhe………also auch wieder nichts. Als nächstes riefen wir die Polizei an und erklärten unsere mißliche Lage. Aber die Polizei zweifelte an unserer Identität und lehnte dankend ab. Als nächstes kam uns der Gedanke unsere Frauen aus dem Bett zu klingeln um uns nach Rügen fahren zu lassen. Allerdings waren wir uns ziemlich schnell einig, das dies unsere Situation eher verschlimmern würde. Eine freundliche Krankenschwester erklärte uns den Weg zum nächsten Bahnhof. Sie sagte der Zug würde um sechs und bis nach Stralsund fahren. Der Bahnhof sollte nur 1000m entfernt sein. Nach einer gefühlten Ewigkeit und mehreren tausend Metern in Socken erreichten wir diesen endlich. Leider war dieser eine einzige Baustelle und der Eingang gesperrt. Über einen Aufzug, Bauschutt und Zementsäcke erreichten wir schließlich unseren Bahnsteig. Da wir noch Zeit hatten, warfen wir unser Geld zusammen, was eigentlich für Bier und Fischbrötchen gedacht war. Wir kamen auf sage und schreibe 30€. Mit diesem unerwartetem Reichtum machten wir uns auf den Weg zum Fahrkartenautomat. Leider hatte der Automat kein Einsehen und verweigerte uns die Fahrt bis Stralsund für 30€. Also reduzierten wir unsere Ansprüche und mussten mit dem Bahnhof Neubrandenburg vorlieb nehmen. Da noch Zeit war versuchten wir die Notfallnummer zu erreichen, diesmal war der Anruf erfolgreich. Allerdings entsprach die Antwort, das uns niemand abholen könnte, da die Gruppe zu weit entfernt war, nicht ganz unseren Erwartungen. Da die Crew nun unsere mißliche Lage kannte, einigten wir uns bei einem zweiten Anruf, das sie ein Auto nach Neubrandenburg schicken würden. Also holten wir unsere Tickets und setzten uns auf eine Bank. Ein liebenswerter Zeitgenosse erkannte unsere Lage und bot uns an, sein Frühstück zu teilen. Dieses bestand aus einer halben Flasche Pfefferminzlikör und einer angetrunkenen Flasche Bier. Da dies nicht zu unseren Frühstücksgewohnheiten zählte, lehnten wir dankend ab. Trotz unserer freundlichen Ablehnung stellte er es vor uns auf den Boden. Endlich kam der Zug in Richtung Stralsund. Erschöpft setzten wir uns hin und stellten vorsichtshalber den Wecker des Handys. Glücklicherweise waren noch ein paar Prozente auf Hanjos Handy übrig. Als der Wecker klingelte stürzten wir kopflos in Richtung Ausgang. Als wir auf dem Bahnhof standen fragte uns ein junger Mann ob wir Hilfe bräuchten. Wir sahen anscheinend sehr hilflos aus. Er zeigte uns zwei Möglichkeiten den Bahnhof zu verlassen. Ein Mitglied der Crew vom Wagen Springer 1 hatte uns schon von weitem entdeckt. Allerdings wählten wir den falschen Ausgang und der arme Kerl musste uns um das ganze Bahnhofsgelände hinterher rennen. Schließlich erwischte er uns und brachte uns zum Fahrzeug. Wir fuhren mit dem Team Springer 1 nach Rügen.Im Auto hatten wir und die 3 Teammitglieder großen Spaß. Da unser Biergeld für die Fahrscheine ausgegeben hatten, spendierten uns unsere Retter selbstlos Bier.
Während der Autofahrt bekamen wir einen Eindruck was für ein organisatorischer Aufwand so eine Tour mit sich bringt. Wir möchten uns bei dem Organisationsteam und der Besatzung des Autos Springer 1 recht herzlich für diese Tour bedanken.
Wir freuen uns jetzt schon auf die Fahrt 2019.